Der Name Radical Index ist weniger als programmatische Haltung zu verstehen als als Beschreibung einer persönlichen Arbeitsweise.
Ich habe seit meiner frühen Jugend gesammelt. Zunächst waren es Schallplatten und Musikkassetten, später Magazine über Musik, Kunst und Kultur. Diese Sammelleidenschaft hat sich über die Jahre nicht verloren, sondern eher verändert. Heute interessieren mich ebenso Bücher über Kunst, Design und Musikgeschichte wie historische Magazine und Zeitdokumente. Dazu gehören etwa Avantgardetitel wie Apart von Mike Meiré oder Elaste, aber auch Magazine wie i-D, The Face oder das frühe Interview.
Mit der Zeit entstand so eine Art persönliches Archiv. Musik spielte dabei immer eine zentrale Rolle. Ich habe Platten gesammelt, darüber geschrieben, eine Radiosendung gestartet und über viele Jahre versucht, Entdeckungen und Referenzen zu teilen. Vielleicht lässt sich darin ein gewisser Hang zum Archivieren und Ordnen erkennen.
Eine ähnliche Logik prägt auch meinen beruflichen Weg. Über verschiedene Stationen hinweg habe ich mich mit digitalen Plattformen, redaktionellen Prozessen, Technologien, Marketingstrukturen und Geschäftsmodellen beschäftigt. Dabei entstand über die Jahre ein breites Verständnis der digitalen Wertschöpfungskette – von Content und Distribution über Analyse, Automatisierung und Produktentwicklung bis hin zu neuen technologischen Entwicklungen. Auch hier geht es letztlich darum, komplexe Systeme zu verstehen, zu strukturieren und sinnvoll miteinander zu verbinden.
Das Wort „radical“ bezieht sich daher weniger auf politische Positionen als auf eine bestimmte Intensität der Auseinandersetzung. Viele der Künstler, die mich über die Jahre besonders geprägt haben und die ich bis heute sehr bewundere, waren auf ihre eigene Weise radikal. Sie haben musikalische oder künstlerische Welten geschaffen, die sich konsequent ihrer eigenen Logik verpflichtet fühlen.
Dazu gehören Künstler wie Prince, Romanthony, Masters At Work, Pal Joey, DJ Duke oder Omar-S, deren Arbeiten für mich bis heute eine außergewöhnliche Klarheit und Eigenständigkeit besitzen. Auch Projekte wie Deee-Lite stehen für eine Haltung, die Pop, Clubkultur und Kunst auf eine unverwechselbare Weise miteinander verbunden hat.
Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt ist Martin Rev von Suicide, dessen minimalistische und kompromisslose Herangehensweise an elektronische Musik bis heute eine enorme Strahlkraft besitzt.
Ähnliches gilt für Bereiche außerhalb der Musik. Künstler wie Martin Kippenberger haben gezeigt, wie radikal Sprache, Humor und Selbstreflexion in der Kunst eingesetzt werden können. Ebenso bewundere ich Maurizio Cattelan und seine Zusammenarbeit mit Pierpaolo Ferrari im Magazin Toiletpaper, dessen visuelle Sprache und Bildideen auf ihre eigene Weise radikal und unverwechselbar sind.
In der Mode fasziniert mich besonders die Arbeit von Rei Kawakubo und Comme des Garçons, deren Ideen die Wahrnehmung von Kleidung und Form nachhaltig verändert haben.
Eine weitere wichtige Referenz ist die Welt der Postmoderne und des Radical Design. Bewegungen wie Memphis oder Alchimia und Hersteller wie Memphis, Gufram, Poltronova oder frühes Kartell haben Design als experimentelles Feld verstanden und bewusst mit Konventionen gebrochen.
Vor diesem Hintergrund ist Radical Index weniger ein radikales Manifest als ein persönliches Ordnungssystem. Ein Versuch, verschiedene Interessen, Referenzen und Projekte in Form eines Index zusammenzuführen.